Samstag, 3. Mai 2014

Gutsherr

Ich habe euch ja noch gar nicht den unumstrittenen Herren des Hofes vorgestellt!

Zorro



Er ist ein roter Tiger, wie es im Buche steht. Garfield und der gestiefelte Kater können einpacken! Zorro hat vor nichts Angst, weiß die Menschen zu versklaven und auch die Pferde dürfen seinen Bauch kraulen. Er war schon hier, als die Stallbesitzerin mit Familie einzog.
Zorro patrouilliert, lässt sich von Hunden nicht einschüchtern, sprintet auch mitten zwischen den Pferdehufen mit, trinkt aus den großen Badewannen und




…ja, er ist eben einfach der König


Let the sun shine forever


Es ist echt unbeschreiblich, wie süß dieser kleine Mann ist. Als Sonnenanbeter, der wohl die heimische Hitze vermisst, versucht er die allerletzten Abendsonnenstrahlen noch einzufangen. Wenigstens das Gesicht noch in die Wärme halten!
Dann brummelt er leise, als er mich entdeckt. Gibt´s jetzt Abendessen?
Die Dehnübungen haben schon besser geklappt. Vielleicht kann man ihm ja auf diese Weise echt helfen! Ich wünsche es mir so sehr! 


Leider stellt er weiterhin sein linkes Bein entlastend unter den Bauch. Mal sehen, ob das im Laufe der nächsten Zeit noch besser wird.
Sein Appetit ist auf jeden Fall unverändert. Was er an Heu futtert, müssen die Dicken der Truppe abspecken! Aber Schnösel wie er ist, lässt er immer einen letzten Rest über. Aufbewahren für schlechtere Zeiten oder will er einfach nur den Luxus eines neuen Heunetzes?


Es hat etwas wundervoll-beruhigendes im Stall zu sitzen, die Pferde zu beobachten und der Sonne am Untergehen zuzusehen. Chevyto ist nun wieder schön in seine Decke eingemummelt und am futtern.  Mal abwarten, wie es morgen ist. 


Time will tell


Heute hatten wir Besuch von einer Osteopathin. Morgens stand Chevy zwar schon besser da, aber als sie ihn in seinem Paddock watscheln sah, war ihr erstes Kommentar „Ich weiß nicht, ob ich ihm helfen kann.“ Meine Gesichtsfarbe muss in etwa der Fellfarbe meines Pferdes entsprochen haben.
Auf dem Asphaltboden war sie schon nicht mehr ganz so entsetzt. Erst wurden ein paar Daten über den Kleinen aufgenommen und dann begann sie ihn von oben bis unten durchzuchecken. Letztendlich kam heraus, dass er einige Blockaden und Muskelverspannungen hat. Vor allem im Genick-, Rücken- und Hüftbereich. Als sie diese dann „bearbeitete“, kaute Cheveyo ab, prustete und gähnte. Man merkte ihm richtig an, wie gut es ihm tat. Ein paar Übungen kann ich jetzt mit ihm weiter machen, vor allem das Strecken der Hinterbeine und Abstreichen des Rückenbereichs. Die Vermutung deutet darauf hin, dass er sich durch die Blasenentzündung und das Frieren so verspannt hat, dass ihm jetzt wegen steifen Muskeln alles weh tut. Außerdem sind seine Hufe zu kurz und ihm tun die Füße extrem weh, wenn er auf Steinen oder Asphalt läuft. Am Dienstag kommt die Hufosteopathin. Leider wird man da aber nicht so viel machen können, da ja „nichts mehr drauf kann“, sondern nachwachsen muss… Mal sehen, ob wir gute Hufschuhe oder so besorgen können.
Die Kastrationsnarbe ist angeblich auch nicht sooo toll verheilt. Vielleicht hat man die Kastration unter schlechten hygienischen Bedingungen „mal eben schnell“ gemacht. Angeblich haben manche Wallache sogar ein richtiges Trauma und mögen es deshalb nicht, wenn man an ihr Hinterteil geht…
Vermutlich habe ich den armen Kerl auch viel zu sehr überfordert. Die Umstellung, das veränderte Klima, neue Freunde, Offenstall, Anweiden, Spazieren gehen… Jetzt wird alles einfach drastisch zurückgesetzt. Er soll erst mal „nur Pferd sein“, d.h. den ganzen Tag nichts tun außer fressen, Sozialkontakte knüpfen und chillen. Spazieren gehen dürfen wir erst nach der Hufbehandlung und auch das nur auf weichem Boden und für maximal zehn Minuten.
Dann sollte es langsam bergauf gehen. Ich hoffe es, sonst muss er doch mal von einem Tierarzt angeschaut werden…
Aber zumindest hat mich die Behandlung beruhigt. Ich hatte schon ganz schlimme Befürchtungen. Vielleicht haben wir ja doch Glück und mit der Zeit wächst sich alles aus. Ich hoffe es.

Bis dahin klaue ich mal eines der Lieblingszitate von unserer kleinen Lena: 



Take the time it takes so it takes less time.

Aye!


Und, ach ja, was mich sehr gefreut hat, die Osteopathin meinte: "Du hast ihn echt erst seit zwei Wochen? Der mag dich aber echt schon sehr gerne!"
Und er war natürlich die ganze Zeit wieder vorbildlich artig! 


Freitag, 2. Mai 2014

Strom


Als Samu als junger Hund den ersten Stromschlag bekommen hat, ist er kopflos davon gerannt. Mein sonst so mutiger kleiner Macho schiebt noch immer Panik, wenn er auch nur den kleinsten Stromfluss spürt. Zwar rennt er jetzt nicht mehr davon, sondern in meine Arme, aber die Angst bleibt.
Cheveyo schien von Spanien keine Stromzäune zu kennen. Als er sich am Anfang einen Schlag holte, habe ich den sonst so besonnenen Jungen zum ersten Mal ganz wild erlebt. Er hat einen Satz zurück gemacht und dann minutenlang zitternd dagestanden und zu jeder Stromlitze einen großen Abstand gehalten.
Was ist es, das Strom für Tiere so schrecklich macht? Selbst wenn der Schlag kein schlimmer „Schock“ an sich ist, löst er eine schreckliche Angst aus. Daraus entsteht Vermeidungsverhalten. Selbst Tiere, denen sonst nichts ausmacht und die „hart im Nehmen“ sind, geben bei Strom klein bei. So habe ich z.B. mal von einem Wolf gelesen, der in Amerika wie ein Hund gehalten wurde. Er wurde einmal vom LKW angefahren und ihm passierten auch sonst allerlei Dinge. Alles steckte er weg, selbst von schlimmeren Verletzungen erholte er sich und fürchtete sich deshalb nicht vor dem Gegenstand. Aber einmal in Berührung mit einem Stromzaun und er wollte nieeee wieder diesen Weg gehen.
In manchen Experimenten werden Elektroschocks sogar genutzt, um „erlernte Hilflosigkeit“ zu erzielen, sozusagen um künstlich Depressionen bei Tieren auszulösen. Hierfür werden Hunde bzw. Ratten in Käfige gesperrt und „geschockt“. Manche können mithilfe eines Hebels den Strom ausstellen, andere nicht. In der zweiten Phase können die Tiere in eine anderen Käfig „flüchten“, um dem Unheil zu entgehen. Die Tiere, die den Strom schon in der ersten Phase bekämpfen konnten, lernen meist sehr schnell zu wechseln. Die anderen jedoch bleiben fast immer lethargisch liegen, probieren gar nichts mehr aus, sondern „ergeben sich ihrem Schicksal“.
Wer sich solche Grausamkeiten ausdenkt…!
Stromschläge scheinen für Tiere also etwas ganz Schreckliches zu sein. Wenn man dann bedenkt, dass sie manchmal in der Hundeerziehung angewandt werden… Nur, wer hinterfragt sowas, wenn es funktioniert? Wenn der Hund dann gehorcht, wenn das Pferd nicht mehr „durch den Zaun geht“?
Samu kann ich fast wie ein Pferd in einem Bereich „halten“, nur weil er das Klacken des Stromes im Offenstall hört. Er läuft nur unter Litzen durch, wenn ich die Unterste hochhebe oder ihm zeige, dass er noch „drunter durch passt“. Doch das Unbehagen sehe ich meinem Kämpfer immer an…


Worrying



Eigentlich blogge ich heute nur, um mich irgendwie abzulenken. Gaaar kein guter Tag! Um genau zu sein, so ein Weltuntergangsstimmungstag! Chevy stand heute früh schon richtig schlecht in seinem Paddock. Die Hinterbeine klemmten, er stakste steif vor sich hin…
Die Stallbesitzerin hatte mir eine gute Osteopathin empfohlen. Also…angerufen. Eigentlich wäre sie erst Montag wieder „frei“, aber ich muss so verzweifelt geklungen haben, dass sie einlenkte. „Bevor du dich das ganze Wochenende verrückt machst, komme ich morgen früh!“
Trotzdem war mit mir den ganzen Tag nichts mehr anzufangen. Zu allem Überfluss ist es auch noch so richtig abgekühlt. Ich stand also bibbernd auf der Weide, mit den Gedanken überall, nur nicht bei den Pferden…und das wussten sie. Der Nachteil am Versuch, Teil einer Herde zu sein, ist, dass sie von Menschen Fehler genauso bestrafen, wie von anderen Mitgliedern. Meine Ausstrahlung muss dermaßen schwach und traurig gewesen sein, dass sie mich entweder mieden oder angifteten.
Auch Chevys Schwäche wurde gnadenlos ausgenutzt. Nachdem er gestern dem Dominanten so ignorant getrotzt hatte, war dieser wohl der Meinung, er müsse es meinem Jungen heute nochmal so richtig zeigen! Das Ergebnis: Eine kleine Bisswunde. Nicht unbedingt ein Stimmungsheber!
Als ich meinen Lusi und den Kolikübersteher von der Koppel holen wollte, mähte jemand am Rande Gras. Eigentlich kein Problem, aber wenn man als Anführer so am Ende mit den Nerven ist, folgt einem natürlich keiner an diesem lauten Monster vorbei! Es ging erst weiter, als ich gebeten hatte, dass er den Rasenmäher kurz ausmacht.
Dieses ständige Ab und Auf geht mir an die Substanz. Ich wünsche Chevy doch einfach nur, dass er gesund ist! Dünn, unbemuskelt, Blasenentzündung und jetzt auch noch was mit den Gelenken/Knochen/Muskelverspannungen? Mein Geldbeutel heult auch schon.
Zuhause schaue ich mir die Ankaufsuntersuchung nochmal genauer an. Angeblich alles „Okay“. Außer dass die Zähne mal kontrolliert werden sollen. Die kommen also auch bald noch dran…
Aber auch so, wieso sollte man noch auf die AKU darauf vertrauen? Alles klang am Anfang so nett, doch mittlerweile…komme ich mir verarscht vor. Der Tierarzt macht das „immer bei dem Händler“. Na, ob der dann so genau hinschaut? Und allgemein, wie konnten sie ein Pferd in Chevys Verfassung überhaupt für Verkaufsfotos reiten? Warum hat niemand seinen schlechten Gang bemerkt? War es eben doch nur ein Händler, der seine Pferde möglichst schnell loswerden wollte und in Spanien einen billigen Markt gefunden hat?
Wenn ich daran denke, wie man mir das Pferd aus dem Hänger in die Hand gedrückt hatte und dann „schnell noch Vertrag unterschreiben und hier ist das Protokoll der AKU und Tschüss…“
Später ist man immer schlauer. Doch was ändert das jetzt schon noch? Cheveyo ist heute genau seit zwei Wochen bei mir und ich habe diesen verdammten Gaul schon so liebgewonnen, dass ich beim bloßen Anblick, wenn er so elendig verkrampft dasteht, gleich Heulen könnte. Emotionen lassen sich eben doch nicht immer kontrollieren.
Mittags bin ich erst mal fast eingeschlafen, weil das Ganze einen doch fürchterlich mitnimmt.
Als ich mit Samu dann nochmal zu ihm bin, brummelte er mir gleich entgegen und dieser süße Laut ließ mein Herz zugleich höher schlagen und schmerzen. Armer kleiner Bub!
Eigentlich bin ich ja gegen „Eindecken“, weil gesunde Pferde, die das Leben draußen gewöhnt sind, keine brauchen und man mit Decken nur die natürliche Isolationsschicht von Pferde kaputt macht… Aber Chevy ist weder gesund noch ist er es gewöhnt. Der junge Spanier sah gar nicht glücklich aus.
Jetzt hat er also eine Regendecke mit Fliesfutter an. Besser für den verspannten Körper und die Blase. Ihm passt die Araberdecke, 125! Was für eine halbe Portion. Und der möchte mal ein stolzer Lusitano werden?
Die Zeit bis morgen früh erscheint mir endlos. Ich will endlich Gewissheit haben! Was ist es und woher kommt es vermutlich? Was kann man dagegen machen? Wie schlimm ist es? Und vor allem…ich will den Kleinen ganz gesund sehen!



Donnerstag, 1. Mai 2014

Und hoch das Bein!

Kennt ihr diesen Reim?

Eins und Zwei und Drei und Vier und Fünf und Sechs 
und Sieben und Acht und Neun und Zehn,
ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock!Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ein, Hacke, Spitze, Hoch das Bein!

Als Kind habe ich das Spiel ständig gespielt. Man zählt, läuft vorwärts und dann einen Schritt rückwärts, einen seitwärts, setzt den Fuß auf die Hacke, dann auf die Zehenspitze und schwingt das Bein in die Höhe. Wenn man eine ganze Kinderbande ist, ist das urkomisch!

Eigentlich hat das gar nichts mit Chevy zu tun, aber als ich heute so mit ihm auf dem Platz rumtollte, fiel es mir wieder ein!
Jedenfalls, wir laufen jetzt alle möglichen Bahnfiguren ab, ich versuche ihn relativ „gerade“ rückwärts gehen zu lassen, wir flitzen im Slalom um Hütchen und gehen über Stangen. Alles noch im Schritt, aber das ist für ihn schon anstrengend genug. Er macht die Biegungen wunderbar mit, kann sich wie eine Schlange um die Slalomhütchen schlängeln, vorwärts durchs Stangen-L gehen und versucht sich bereits daran übers Stangenchaos zu kommen, ohne dabei immer irgendwo gegen zu treten. Auch Halsbiegungen nach unten und zu den Seiten üben wir.
Chevy hat durchaus seinen Spaß daran. Vor allem, wenn es für gut Gelungenes auch noch eine Belohnung gibt. Da er von sich aus hinter mir herstapft, versuche ich die meisten Übungen ohne „Seil“ zu machen. Auch das Stehenbleiben und „warten“ fangen wir jetzt an. Er muss auch mal ruhig an einem Fleck verharren und mir nicht immer hinterherlaufen.
Ich hoffe, in den nächsten 1-2 Wochen klappt das alles immer besser und wenn jemand aus meiner Familie dann mal Zeit hat, gibt es sicher auch Fotos oder Videos.
Die Videos, die ich heute mit der Handykamera versucht habe, sind ziemlich misslungen, da ich schlecht gleichzeitig „führen“ und „filmen“ kann. Im Slalom z.B. muss ich selbst so konzentriert sein, dass ein Eigenvideo gar nicht klappen würde.

Ansonsten habe ich die Spaziergänge jetzt zeitlich wieder leicht runtergeschraubt. Ich glaube, das ist alles noch zu viel für ihn. Er muss jetzt erst mal richtig zunehmen!
Zum Glück frisst er gut. Ein Heunetz nach dem anderen… Dann das Grasen, Leckerlis, Karotten, Obst, Zusatzfutter… Aber es braucht eben so seine Zeit. Gerade die Umstellung wieder lässt ihn wohl vorerst nichts auf die Rippen kriegen.

Und zwei andere Pferde sind auf Diät. Könnten sie ihm ruhig ihre Pfunde zu viel abgeben!






Herdenstruktur


Die größte aller Künste ist die des Zusammenlebens.


Da Cheveyo nun um die zwei Stunden auf die Weide darf, hat es sich gelohnt, eine Decke mitzunehmen. Es gibt nichts Spannenderes, als eine Pferdeherde zu beobachten! Wer braucht dann noch Fernsehen!?
Jeder kennt seine Position und doch wird ständig ausgetestet. Die Kleinen trotten noch relativ unbedarft durch die Gegend, gehen in die Richtung, in die ihre Neugier sie treibt. Der „Herdenunterste“ steht oft ein klein wenig abseits. Es scheint, als würde ihn alles gar nicht richtig interessieren. Sogar bei den hin und wieder aufkeimenden Rennspielen beteiligt er sich nicht jedes Mal. Der Draufgänger hat eine große Klappe, aber nichts dahinter. Er tritt massiv dominant auf, um seine eigentliche Unsicherheit zu verbergen. Immer wieder klebt er am Chef, versucht, ihm die Wünsche von den Augen abzulesen… Der Leitwallach sieht das Leben gelassen. Er kümmert sich ums Grasen und, wenn es denn sein muss und einer sich zu weit entfernt hat, dann bringt er ihn zur Gemeinschaft zurück. Ist er der Meinung, dass man weiterziehen sollte, muss er nur leicht die Ohren anlegen und den Kopf nach vorne schnellen lassen, schon setzt sich die Gruppe gemächlich ein paar Schritte voran in Bewegung. Fängt einer mit Rennen an, galoppieren meist alle gleichzeitig los. Außer es ist einer der Kleinen, die werden nicht mehr ganz ernst genommen.
Unaufmerksamkeit wird „bestraft“. Es führt, wer das meiste mitbekommt. Wer nicht aufpasst, gefährdet die Herde. Als Fluchttiere müssen sie sich darauf verlassen können, dass jeder Gefahren meldet und alle bereit sind, im Ernstfall gemeinschaftlich loszupreschen.

Die Stärke der Kette wird durch die Stärke des schwächsten Gliedes bestimmt.


 Nur die Feigheit steht dem Chef manchmal im Wege. „Lieber die anderen, als ich!“, lautet seine Devise. Eigentlich keine mutige Charaktereigenschaft.
Neue Pferde werden erst mal auf Distanz gehalten. Kommen sie der Herde – irgendeinem Mitglied- zu nahe, schießen Chef und sein Handlager, manchmal auch nur einer von beiden, nach vorne und verjagen ihn.  Dabei gibt es nie echte Bisse oder Tritte. Alles ist nur ein Andeuten, Luftschnappen, Ausschlagen und sobald die Distanz reicht, wird in aller Seelenruhe weitergegrast.
Cheveyo darf nun bereits bei den anderen stehen. Manchmal sogar mitten unter ihnen. Da der „Unterste“ wegen einer Kolik die letzten Tage bei Chevy stand, also nicht dauerhaft mit auf der Weide, hat mein Junge sich bereits eine Stufe „hochgearbeitet“. Es beginnt ganz subtil. Zum Beispiel, dass er den anderen überall anstupste, den Mähnenkamm massierte, seinen Kopf an ihm rieb, ihn zur Seite schob oder von seinem Futter ein Stück fern hielt.
Heute ging es auf der Weide weiter. Während er anfangs nur mit den beiden Kleinen geschnüffelt hatte, „schiebt“ er sie jetzt durchaus mal voran. Die leitende Position bei Pferden ist hinten, d.h. der Chef treibt von hinten die anderen vor sich her. Andersrum, selbst wenn ein rangniedriges Pferd von hinten „schiebt“, bewegen sich die Höheren meist nach vorne.
Nun scheint mein Lusi schon an dritter Stelle zu stehen. Ganz ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, wenn man sich nicht – so wie ich – stundenlang mit auf die Wiese gesetzt hätte.


Selbst die Scheinattacken des Möchtegerndominanten bewegen ihn jetzt nicht mehr zur Flucht. Stattdessen begegnet er seinem Ansturm teilweise mit angelegten Ohren und festem Stand. Der arme Angreifer ist völlig verwundert und trollt sich meistens gleich wieder. Ob das wohl bedeutet, dass er auch ihn noch „überholen“ möchte?
Und was ist mit dem Chef, vor dem Cheveyo zwar noch weicht, der aber bei Weitem nicht so aufmerksam und mutig wie sein weißer Gegenüber ist?
Es ist schwer, Cheveyo zu „überraschen“. Er bekommt alles mit, selbst wenn er grast. Scheinbar hat er alle Herdenmitglieder im Blick, mich eingeschlossen.
Wenn ich so dasitze, mit dem Rücken gegen einen Baum gelehnt (nicht nur der Bequemlichkeit wegen, es ist gefährlich mitten auf einer Wiese ungeschützt rumzuliegen, wenn die Pferde hin und wieder Rennspiele veranstalten), dann bekomme ich immer wieder von einem Pferd „Besuch“. Kurz „Hallo“ sagen, anstupsen, manchmal etwas schmusen, dann wird weitergegrast.
Sie sind immer in Bewegung. Meist langsam, Schritt für Schritt weitergrasend, hin und wieder gibt es aber auch mal Trab- oder Galoppeinlagen. Wer das sieht, wie frei und fröhlich sie sich bewegen, dem tut die Vorstellung, dass manche Pferde das nie machen dürfen, sondern nur „gearbeitet“ werden und dann in der Box stehen, furchtbar weh.


Da ich dem Chef mit meinem „wegscheuchen“ wohl etwas zu viel Angst gemacht hatte, bin ich jetzt dazu übergegangen, auch auf seine Signale zu weichen. Schon bin ich ihm wieder etwas sympathischer.
Manchmal renne ich auch mit der Gruppe mit. Die Pferde scheinen mich mittlerweile als einen ziemlich irren Menschen zu akzeptieren und wundern sich fast schon, wenn sie weiterziehen und ich nicht mitkomme.
Alles seeehr spannend. Ich frage mich, wie die Herdenstruktur in ein paar Wochen aussieht!

Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.